 |
 |
 |
| |
 Lisl Goldarbeiter und Marci Tänzer wurden 1909 geboren, waren Cousin und Cousine und kannten einander von frühester Kindheit an. Die Goldarbeiters lebten in Wien und gehörten zum österreichischen Zweig einer großen jüdischen Familie in Österreich-Ungarn. Die Tänzers lebten in Szeged und bildeten den ungarischen Zweig. Die Familienbande zwischen Wien und Szeged blieben immer bestehen.
Marci zog 1926 zum Studium nach Wien. Das erste antisemitische Gesetz in Europa, der ungarische Numerus Clausus von 1922, untersagte Jüdinnen und Juden in Ungarn den Zugang zur Universität. Marci lebte im Haus der Goldarbeiters und studierte von 1926 bis 1936 an der Technischen Universität.
Marci war heimlich in seine Cousine Lisl verliebt. Kurz nach seiner Ankunft begann er, ihre Familie und Wien zu filmen. Er war sehr arm, sparte aber das Geld für sein Film-Hobby, indem er zu Fuß durch die Stadt ging, anstatt Straßenbahn zu fahren. Ohne jemandem etwas davon zu sagen, sorgte Marci 1929 für Lisls Eintritt in die Welt der Schönheit und machte sie weltberühmt.
Lisl heiratete 1930. Marci blieb ledig und wartete auf sie. Lisl Ehemann war unter den Vermissten im Zweiten Weltkrieg, sie überlebte den Krieg ebenso wie Marci. 1949 bekam Marci, worauf er so lange gewartet hatte: Er heiratete Lisl, sie durchlebten glücklich und still die Revolution 1956, den Schrecken und die Verfestigung des Kommunismus.
Lisl starb 1996, Marci 2003 – kurz nachdem er uns alles über sein Leben und das „seiner“ Miss Universum Lisl Goldarbeiter erzählt hatte.
„In den letzten 20 Jahren habe ich entdeckt, dass alte Amateurfilme unbewusste Tagebücher des Lebens und der Geschichte sind. Diese filmischen Tagebücher erzählen uns von Dingen, die für uns nicht mehr zugänglich oder fühlbar sind, und zeigen uns auch die andere Seite der offiziellen Geschichtsschreibung. … Was mich an Amateurfilmen interessiert, ist das magische Element, das Geheimnis der Bilder. Ich würde sie nicht unschuldig nennen, sondern naiv. Mich fasziniert die Schönheit der Bilder und die Geschichte dahinter.“ (Péter Forgács)
MISS UNIVERSE 1929 - Lisl Goldarbeiter. A Queen in Wien - wird ausschließlich aus Archivmaterial bestehen, der Großteil des Materials stammt von Amateurfilmern. |
|
 |
|
|
 |
 |
|