DER WEG NACH MEKKA – Die Reise des Muhammad Asad folgt dem Lebensweg von Leopold Weiß alias Muhammad Asad, von den Randgebieten der ehemaligen Donaumonarchie bis nach Israel, Palästina, Saudi-Arabien, Pakistan und New York. Er besichtigt die Orte, an welchen er sich einst aufgehalten hat. Parallel entblättert sich ein vielschichtiges Bild des Islams.

Auf den Stationen der Reise werden die Überlegungen Asads heutigen Problemen zwischen Orient und Okzident gegenübergestellt. Das Filmteam tritt in seine Fußstapfen und trifft auf dem rekonstruierten Lebenspfad Menschen aus seinem nahen Umfeld: Familie und Freunde, Experten und Wissenschafter, Verehrer seines Werks sowie zahlreiche Zufallsbekanntschaften, die von dem in Vergessenheit geratenen Reformisten viel, noch nichts oder nur wenig wissen.

Dass ein Österreicher der Schlüssel zu einem besseren Verständnis dieser konträren Welten hätte sein können, überrascht. Muhammad Asad war ein Visionär, dessen Gedankengut ihn beinahe zum Martin Luther des Islam werden ließ. Ein vergessener Autor, Philosoph, Träumer sowie Gründervater und UN-Botschafter Pakistans, der neben seinen Schriften über das Weltbild, Recht und die Philosophie des Islam, mit seiner Koranübersetzung das moderne theologische Denken dieser Religion immens beeinflusste. Noch heute gilt seine Übersetzung unter Wissenschaftern und Akademikern als die beste überhaupt. Er verstand sich als „Mittler“ wiewohl seine religiösen Überzeugungen und politischen Sympathien klar verteilt waren und im Film auch wiederholt eine Problematisierung erfahren. Durch sein Wirken wurde Asad zu einem der bedeutendsten Kulturvermittler zwischen der abendländischen Kultur und jener des Orients. Dabei erscheint es erstaunlich, dass heute nur noch Wenige von Muhammad Asad wissen.

Rede und Gegenrede sind Strukturprinzip des Films DER WEG NACH MEKKA – Die Reise des Muhammad Asad, welcher sich wohlfeilen Lösungen beharrlich verweigert. Der Film insistiert auf Widersprüchlichkeiten, was ihn auszeichnet. Die heutigen Kontakt- und Konfliktpunkte werden aus einem neuen Blickwinkel untersucht und gezeichnet. Berührend sind neben biographischen Einzelheiten, Textzitate, private Fotografien und Filmaufzeichnungen eingewebt, welche Lebenswelten verschiedenster Menschen sichtbar machen: Die einfacher, saudischer Beduinen, palästinensischer Flüchtlinge, Beratern Sharons, pakistanischer Asadianern und Wegbegleiter Asads.

Asads Gedankengut immer im Hintergrund, räumt der Film mit tiefverwurzelten Vorurteilen auf und veranschaulicht wie weit sich fundamentalistische, terroristische Kräfte vom grundsätzlich höchst menschlichen Islam entfernt haben. Ein palästinensischer Protagonist bringt es auf den Punkt: „Asad lehrte den wahren Islam, dass es falsch ist, dass der Islam Terrorismus sei. Der Islam ist Frieden. Der Islam ist Brüderlichkeit.“ Während sich DER WEG NACH MEKKA zu Beginn hauptsächlich in der arabischen Welt bewegt, wird spätestens bei den gezeigten Szenen der 9/11-Feierlichkeiten in New York klar, dass Fanatismus ein globales Problem darstellt.

Zuletzt ist die Geschichte, die der Film erzählt, auch die Geschichte eines tragischen Scheiterns. Archivaufnahmen von Leopold Weiß alias Muhammad Asad zeigen einen betagten, weisen, immer noch hellwachen Mann. So naiv er als junger Mensch vielleicht war, so kritisch sah er später die Menschheit. „Ich hab mich in den Islam verliebt“, resümierte er in einem Gespräch kurz vor seinem Tod im Jahr 1992 lapidar, „aber ich hab die Muslime überschätzt.“

Es gelingt Georg Misch, Schönheiten und Abgründe beider Welten sensibel und objektiv darzustellen. Nichts wird ausgelassen, auch nicht die Tatsache, dass Asad gegen Ende seines Lebens vom Zustand der islamischen Welt, deren intellektueller Abschottung und der Intoleranz der Extremisten enttäuscht war.

DER WEG NACH MEKKA – Die Reise des Muhammad Asad zeigt auf, wie zeitlos und nach wie vor höchst relevant das Leben und Werk eines herausragenden Österreichers ist.